Jan Hornhauer

Vom Bosporus an die winterliche Spree

Cottbus. Oder die Frage: Wie erlebt ein türkischer Student erstmals in seinem Leben Weihnachten in Deutschland?

Ein Bummel über den Weihnachtsmarkt bei Schnee und Eis, Glühweinduft, Holzkunst aus dem Erzgebirge oder ein schönes Stück Christstollen: Was für uns alljährlich zum Weihnachtsfest liebgewonnene und längst bekannte Traditionen sind, ist für Çaglar Alper Kaya absolutes Neuland. Der Erstsemester-Student der BTU Cottbus lebt seit zwei Monaten in Deutschland und erlebt zum ersten Mal in seinem Leben, was Weihnachten auf Deutsch bedeutet. Wir begleiteten ihn auf einem Bummel über den Cottbuser Weihnachtsmarkt.

 

"Ein wenig kalt ist es schon. Außerdem liegt hier sehr viel Schnee", erzählt der 23-jährige Türke in überraschend gutem deutsch. "Ich habe mein Abitur in einer Schule mit deutschen Lehrern gemacht. Daher auch die Motivation, hier meinen Master im Maschinenbau zu machen." In seiner Heimat, der 12-Millionen-Metropole Istanbul, gibts zwar auch Schnee. Aber nicht in so großen  Mengen. Von Weihnachten in unserem Sinne ist in dem islamisch geprägten Land ohnehin nichts zu finden. "Wir feiern auch nicht Heiligabend. Wir begehen eher den Jahreswechsel festlich. Meine Mutter bereitet dafür jedes Jahr einen Truthahn zu, den wir gemeinsam mit meiner Schwester und meinen Eltern genießen."

Genießen - genau bei diesem Wort glänzen dem jungen Mann, der seit etwa einem Monat eine eigene Wohnung in Cottbus hat, die braunen Augen. Weihnachten sei klasse, vor allem der Glühwein habe es ihm angetan. "Sowas gibt es kaum in der Türkei. Sehr lecker." Lecker findet er auch den Stollen, den er an diesem Nachmittag von einer freundlichen Bäckerin zum Probieren bekommt. Mit Krümeln im Mundwinkel meint er: "Toll, großartig." Nach Deutschland zog es den jungen Mann vor allem wegen des guten Rufs der Masterausbildung in seinem Studiengang. Durch Recherchen im Internet sei er auf die BTU Cottbus aufmerksam geworden. "Eine schöne Uni mit guten Professoren", wie er findet. Auch die Lausitzmetropole selbst hat er bereits in sein Herz geschlossen. "Kommt man wie ich aus so einer stressigen Stadt wie Istanbul, dann ist es doch schön, wenn man auch mal etwas ruhiger lebt." Nach seinem zweijährigen BTU-Masterabschluss will der Familienmensch noch einige Jahre in Deutschland arbeiten, danach zieht es ihn wieder in seine geliebte Heimatstadt am Bosporus. "Auf jeden Fall will ich wieder zurück, denn ich vermisse meine Familie." Die würde nicht schlecht staunen, könnte sie ihren Spross jetzt sehen. Mit einer Weihnachtsmütze und einem Becher dampfendem Glühwein bestückt, lässt er sich am Stand von Andrea Hahn in die Traditionen erzgebirgischer Holzkunst entführen. Die Händlerin hat ihre Hütte direkt auf dem Altmarkt. Etwas fröstelnd reicht sie dem "Weihnachtsneuling" einen Nussknacker entgegen. Kein gewöhnlicher, wie sie schnell erklärt: "Die Figur hat den bayerischen König Ludwig zum Vorbild. Die Bekleidung ist echte Seide, die Krone aus echtem Metall." Vorsichtig stellt er das Sammlerobjekt wieder auf die Theke. "Schon komisch", findet er. "Bei uns würden Kinder damit vor allem spielen und hier in Deutschland wird so etwas gesammelt." Das klassische Klischee der Deutschen vom Döner-verkaufenden Türken ist natürlich auch bei ihm schon angekommen. "Gut, davon halte ich nicht viel. Allerdings ist der Döner hier um Welten besser als in der Türkei." Doch der Moslem, der trotz religiöser Regel Schweinefleisch isst, wird vor allem bei einer deutschen Spezialität richtig schwach: "Bockwurst mit Senf - klasse." Vielleicht wird er am Heiligabend in seiner kleinen Sandower Wohnung auch so eine Wurst verputzen und währenddessen mit seiner Familie in der Türkei über das Internet kommunizieren. Drei Tage später geht allerdings sein Flieger in Richtung Istanbul. "Zum Jahreswechsel bin ich bei meiner Familie. Bei allen Unterschieden haben wir Deutschen und Türken doch eines gemeinsam: Zum Jahresende wollen wir mit unseren Liebsten zusammen sein." Oder wie sich die Türken zum Jahreswechsel sagen: "Yeni yilda size basarilar dilerim" - ich wünsche ihnen ein erfolgreiches neues Jahr.

Foto: Kulturbegegnung auf die weihnachtliche Art: Çaglar Alper Kaya (23) bummelt erstmals in seinem Leben über den Cottbuser Weihnachtsmarkt. Andrea Hahn zeigt dem Erstsemesterstudenden der BTU einen echten Nussknacker aus dem Erzgebirge. 

 

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