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Zwölf Uhr mittags ist High Noon

Luckau. Die Pandemie hat den stationären Einzelhandel seit dem 16. Dezember fest im Würgegriff. Der Lockdown bedroht die Existenz vieler lokaler Läden. Sie wollen endlich wieder öffnen und machen in Finsterwalde, Herzberg und Luckau ordentlich Druck.

Zahlreiche Geschäftsleute versammeln sich dafür jeden Dienstag um 12 Uhr auf den Marktplätzen ihrer Städte. Mit Schildern machen sie auf ihre bedrohliche Lage aufmerksam. Unter der Losung »Es ist 5 nach 12« fordern sie unter anderem die sofortige Aufhebung ihres durch den Lockdown bedingten Arbeitsverbotes sowie eine differenzierte Analyse und Bewertung zu Corona-Infizierungen und deren Verbreitung. Sie erwarten auch eine greifbare, nachvollziehbare und planbare Perspektive - für alle Branchen.

»Trotz Ladenschließung bleiben die laufenden Kosten bestehen. Die versprochenen Wirtschaftshilfen kommen zum Teil spärlich oder gar nicht, geschäftliche und mittlerweile private Reserven gehen zur Neige. Mancher muss inzwischen sogar an seine kontinuierlich aufgesparte Altersvorsorge gehen«, berichtet zum Beispiel Jutta Dzielak, Vorstandsmitglied des Gewerbevereines »Wir sind Luckau« e.V.. Sie hat die Aktion mit Finsterwalder UnternehmerInnen initiiert. Das umfängliche Arbeitsverbot für die Händler sei keine Lösung und fühle sich an wie eine ungerechte Bestrafung für Jahrzehnte fleißiger Arbeit, unterstreicht sie die Folgen des Lockdowns und betont: »Auch in Luckau möchte kein Selbständiger am Tropf des Staates hängen. Jeder möchte wieder arbeiten, auch mit der Verpflichtung, besondere Regeln vielleicht noch auf lange Sicht einzuhalten. Es ist nicht länger hinnehmbar, dass Menschen mit hohem Verantwortungsbewusstsein regelrecht entmündigt werden.« Wie Jutta Dzielak sagt, gibt es in der Händlerschaft ausgefeilte Hygienekonzepte, die finanziert und vorbereitet wurden.

Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann fühlt mit den Händlern seiner Stadt mit, wie er sagt. Er vergleicht die aktuelle Situation mit der Anfang der 90er Jahre. »Damals wollten auch viele Leute arbeiten, konnten aber nicht, da es keine Arbeitsplätze gab. Den Menschen fehlte somit die berufliche Perspektive - wie heute im Lockdown.« Lehmann weiß, dass Selbstständige auch selbstständig sein wollen und nicht vom Staat abhängig sein wollen. »Zwar gibt es leider kein Corona-Handbuch, doch man sollte immer mit Augenmaß schauen, was man wie umsetzt«, sagt Lehmann. Allerdings seien Leben und Gesundheit nicht verhandelbar. Perspektivisch regte Lehmann an, vielleicht den zurzeit stark florierenden Online-Handel zusätzlich zu besteuern. »Mit diesem Geld könnten die Kommunen ihre Einzelhandelsstandorte stärken«, schlug er vor.

Die Bundestagsabgeordnete Sylvia Lehmann (SPD) war in Luckau zu Gast und räumte ein, dass es durchaus bestehende Widersprüche in den Maßnahmen gebe. Supermärkte und Discounter haben auf, Einzelhändler zu. »So eine Aktion wie hier in Luckau kann jedoch Emotionen wecken und Politiker motivieren, hier Änderungen voranzutreiben«, sagt Sylvia Lehmann.

Wie Landkreis Dahme-Spreewald-Landrat Stephan Loge sagt, zehrt die gesamte Situation schon an den Nerven: »Dieser Lockdown tut richtig weh und ist menschlich sehr aufwühlend. Wir wollen alle gern wieder shoppen gehen statt im Internet einzukaufen.« Wie Loge berichtet, haben die Landräte den Draht zur Politik.

Immer dienstags

  • Zeitgleich mit den Luckauer Händlern setzten unter der Losung »Es ist 5 nach 12« auch Händler in Finsterwalde, Herzberg und Lübbenau in ihren Städten ein Zeichen.
  • Jeweils dienstags sollen weiterhin von 12.05 Uhr bis 12.30 Uhr entsprechende »5 nach 12«-Schilder vor den Läden aufgestellt werden.

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