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Anlaufstelle für das Ehrenamt

Oberspreewald-Lausitz. Seit Mai 2020 ist der Landkreis Oberspreewald-Lausitz (OSL) eine von bundesweit insgesamt 18 Modellregionen, in denen das Projekt »Hauptamt stärkt Ehrenamt« erprobt wird. WochenKurier sprach darüber mit OSL-Projektkoordinatorin Roswitha Ullrich.

Können Sie kurz erklären, welche Ziele das Projekt »Hauptamt stärkt Ehrenamt« verfolgt?

Im Verbund wird gemeinsam mit den anderen 17 Partnern des Projektes und in Abstimmung mit dem Deutschen Landkreistag ein Leitfaden in Form einer Handreiche erarbeitet. Enthalten sein werden darin Anleitungen zur Praxis im Ehrenamt, basierend auf Erfahrungen und erfolgreichen Praktiken. Diese Handreiche wird zum Ende des Verbundprojekts sowohl gedruckt als auch digital allen Landkreisen bundesweit für ihre Arbeit mit dem Ehrenamt zur Verfügung gestellt. Für uns im Landkreis wollen wir eine Anlaufstelle schaffen, die das Ehrenamt koordiniert - im Zusammenwirken mit den Kommunen. Auf Landkreisebene sollen nachhaltige Strukturen zur Stärkung und Arbeitserleichterung im Ehrenamt aufgebaut beziehungsweise verbessert werden - etwa durch Informationsangebote und Beratung, Qualifizierung, Vernetzung, Begleitung bei Projekten oder Hilfestellungen bei individuellen Themen. Auch die öffentlichkeitswirksame Würdigung ehrenamtlicher Arbeit soll ausgebaut werden.

Wie sollen diese Ziele erreicht werden?

Es erfolgt eine Bestands- und Bedarfsabfrage zu den bestehenden Ehrenamtsstrukturen im Landkreis. Dabei werden etwa die unterstützenden Funktionsstellen innerhalb des Landkreises erfasst, Gespräche mit den hauptamtlichen Ansprechpartnern für das Ehrenamt in den Kommunen geführt sowie mit den ehrenamtlich Tätigen zentriert in den jeweiligen Kommunen. Unser erster Termin hierfür ist am 2. November, 16.30 Uhr, im Schützenhaus Altdöbern geplant. Aus dieser vielfältigen Bedarfsanalyse heraus sollen schließlich Hilfskonzepte erstellt werden. Zudem bieten wir regelmäßige Angebote zu Weiterbildungen sowohl online als auch in Präsenz zu Themen aus der Vereinspraxis an.

Wie nutzen bisher Vereine und anderweitig ehrenamtlich engagierte Menschen Ihr Angebot?

Bei Online-Weiterbildungen und Informationsveranstaltungen gab es jeweils durchschnittlich 35 Anmeldungen. Bisher fanden 15 Seminare statt. Die Themen dazu erstreckten sich auf die wichtigsten Praxisgebiete aus der Ehrenamtstätigkeit. Zudem gab es Beratungen in unserem Büro zu individuellen Fragen. Auch beteiligten sich Ehrenamtler an Projekten wie etwa einem Imagefilm, der Aktion ›Hey Alter‹ und einem Fotowettbewerb.

Was waren Schwerpunkt-Themen Ihrer bisherigen Beratungen?

Wir sprechen über die Finanzierung von zusätzlichen Aufwendungen, über die Überbrückung der Einnahmeverluste während der Corona-Pandemie bis hin zu aktuelle Rechtsprechungen während der Corona-Pandemie. Es geht um Unterstützung zu buchhalterischen Themen oder um den Inhalt und Aufbau einer rechtssicheren Satzung bis zu Versicherungen, die ein Verein benötigt. Auch Möglichkeiten, projektbezogene Fördermaßnahmen in Anspruch zu nehmen, sind oft ein Thema in den Gesprächen.

Wobei konnte das Projektbüro bisher helfen, wo unterstützend eingreifen?

Wir haben eine Revision zur Prüfung der Verwendung einer erhaltenen Förderung begleitet, ebenso eine Neugründung eines Vereins. Wir konnten Fragen im Zusammenhang mit der neuen Gebührensatzung des Vereinsregisters aufklären sowie eine finanzielle Spende zur Unterstützung einer Fusion der Bezirks- und Regionalverbände von Kleingärtnern vermitteln. Zudem konnten wir acht gemeinnützigen Organisationen aufgearbeitete, funktionsfähige Laptops für ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen übergeben. Auch bei der Prüfung eines neu gefassten Nutzungsvertrages für die Inanspruchnahme einer Vereinsstätte konnten wir helfen.

Welche Auswirkungen hatte bisher die Corona-Pandemie auf Vereine und auf ehrenamtlich Tätige? Was sind Ihre Erfahrungen?

Einnahmeverluste gefährden die Liquidität der gemeinnützigen Vereine und Vorstände unterliegen erhöhten Anforderungen, um Maßnahmen zur Deckung der fixen Kosten zu finden und umzusetzen. Es sind Unsicherheiten entstanden, um langfristig Aktivitäten der Organisationen zu planen, Projektvorhaben mussten kurzfristig abgesagt werden. Ein entsprechendes Antragsverfahren für Coronahilfspakete war für viele Betroffene zu kompliziert beziehungsweise aufwendig. Zudem führte eine Auflösung eines übergeordneten Verbandes zur Beendigung der Aktivitäten einer Seniorengruppe, weil die rechtliche Absicherung fehlte.

Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell und zukünftig für Vereine und ehrenamtlich engagierte Menschen?

In unserer Arbeit mit den ehrenamtlich Tätigen konnten wir die größte Herausforderung in der Absicherung der finanziellen Geschäftstätigkeit erkennen. Die allgemein stattfindende Preisentwicklung insbesondere die Einschränkungen aus der Coronapandemie macht es den Vereinen zusätzlich schwer, ihre Aktivitäten zu finanzieren. Ehrenamtliche Arbeit wird zwar unentgeltlich erbracht, jedoch entstehen Auslagen, die zum Teil aus privaten Mitteln bestritten werden müssen, um den Finanzbestand des Vereins nicht zu belasten. So zum Beispiel Fahrtkosten von Trainern und das Beschaffen von Technik, um mit der digitalen Entwicklung mithalten zu können.

Es ist bereits jetzt eine Tendenz zu erkennen, dass auch finanzielle Zuschüsse verschiedener Institutionen zukünftig nicht mehr in der gewohnten Höhe zu erwarten sind.

Eine große Herausforderung ist auch die Nachwuchs- und Mitglieder-Gewinnung. Vorstände ringen um Nachfolger. Zunehmende bürokratische Anforderungen und Zeitmangel senken die Bereitschaft, sich gemeinnützig zu engagieren. Auch haben sich die Interessensgebiete vieler junger Menschen maßgeblich verändert. Die Digitalisierung spielt dabei eine wesentliche Rolle. Da ist es schwer Mitglieder zu finden, um diese zum Beispiel für einen Kleintierzuchtverein zu begeistern.

Bis Ende 2022 sollen mit dem Projekt nachhaltige Strukturen zur ehrenamtlichen Engagement-Förderung geschaffen werden. Wie geht es danach weiter?

Bedingt durch die Einschränkungen der Coronapandemie konnte auch die Arbeit des Projektbüros nicht in dem Maße stattfinden, wie wir es uns gewünscht hätten. Ein Problem, welches jedoch alle Verbundpartner des Modellprojektes tragen mussten.

Aus diesem Grund haben wir im Frühjahr 2021 gemeinschaftlich einen Antrag zur Verlängerung des Projektzeitraumes beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gestellt.

Im August 2021 erhielten wir die Bewilligung vom Fördermittelgeber zu einer Verlängerung von sechs Monaten. Somit endet unser Projekt ›Hauptamt stärkt Ehrenamt‹ am 30. Juni 2023.

Nach Projektende sollen die erarbeiteten Strukturen in einer stetigen Koordinierungsstelle auf Landkreisebene münden und durch diese weitergeführt und ausgebaut werden. Eine dauerhafte Unterstützung und Förderung des Ehrenamtes im Landkreis Oberspreewald-Lausitz wird dadurch auch zukünftig gesichert.

• Projekt »Hauptamt stärkt Ehrenamt« im Internet

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