Peter Aswendt/asl

Drive-in: Theater im Auto erleben

Senftenberg. Seit März hat die neue Bühne Senftenberg alle Niederungen des Corona-Lockdowns durchlaufen. Aber in den Köpfen der Theatermacher aus Senftenberg gab es keinen Stillstand. Neuester Coup ist das Autotheater.

Am 15. August hat das Warten ein Ende. Auf der Hofbühne der neuen Bühne Senftenberg gibt es die Spielzeiteröffnung. Die Sehnsucht des Ensembles nach der Bühne und dem Publikum war groß. Mit dieser Sehnsucht kamen auch Ideen, die das Theater mobil machen. »Schon im April griff Maren Simoneit, Dramaturgin des Hauses, die Idee eines Drive-in-Theaters auf«, so Axel Tonn, technischer Direktor des Theaters. Angelehnt an ein Autokino, sollte das doch auch für ein Theater funktionieren, war die einhellige Meinung.

Technisches Neuland

Wenn es um außergewöhnliche Spielorte und technische Umsetzung geht, dann ist Axel Tonn der richtige Mann am richtigen Platz. Schon im vergangenen Jahr sorgte er mit dem Fontane-Spektakel dafür, dass aus dem Senftenberger Bahnhof ein Theaterareal wurde. »Mir viel sofort der Festplatz am Laugkfeld ein«, erinnert er sich. Langes Warten war noch nie das Ding vom Technik-Chef, und so wurde schon zwei Tage später die entsprechende Anfrage bei der Stadt Senftenberg getätigt: »Es lief alles reibungslos und ich bin echt froh, wie unkompliziert die Zusammenarbeit ist«, beschreibt Tonn die Antragswege.

Neuland betrat man im Theater bei der Tonübertragung. Die Technik ist da, aber der Transportweg, also die Frequenzen, mussten genehmigt werden: »Die Landesmedienanstalt verwies uns an die Bundesnetzagentur«, skizziert er den Antragsmarathon. War noch das Problem »Bühne« zu klären.

Mobile Bühne

Die Idee einer beweglichen Bühne ist nicht neu am Senftenberger Theater: »Es gab die sogenannte Santolo-Bühne, auf einem Lkw W50«, schwelgt Tonn in Erinnerung. Also, eine Art Container mit flexiblen Wänden, der als Bühne dient und das Theater zu den Menschen bringt. Nun gibt es keinen W50 mehr, aber die sogenannten Wechselbrücken – Container mit Füßen, die auf Lkws bewegt werden. Eine Wechselbrücke mit flexiblen Wänden kostet zwischen 4 000 und 5 000 Euro. Zuviel für ein Theater in der Corona-Krise. Hier kam ein bekannter Mäzen ins Spiel: »Ich habe mit Uwe Badke gesprochen und er hat uns finanziell geholfen«, zeigt sich Axel Tonn dankbar.

Nun steht eine 7,5 Meter lange und 2,5 Meter hohe Bühne mit einer 2,5 Meter Tiefe zum flexiblen Einsatz bereit. Drei Tonnen bringt die Bühne leer auf die Waage und sechs Tonnen wiegt sie mit voller Beladung. Die Spielfläche liegt in circa zwei Meter Höhe.

Zuschauerpyramide

Etwa 100 Pkws können auf dem circa 5 000 Quadratmeter großen Areal zum Senftenberger Autotheater Platz finden. Die Zu- und Abfahrt soll über die Laugkstraße erfolgen. Die Anordnung soll in einer Pyramidenform (Keil) optimale Sicht gewähren. »Wenn möglich, sollte man die Karten schon im Vorverkauf erwerben, damit keine lange Wartezeit an der Einfahrt entsteht«, so der Tipp von Axel Tonn.

Die ersten Aufführungen sind am 18. und 19. August geplant. »Wo ich meinen Hut hinhäng«, der Liederabend mit Udo-Lindenberg-Songs startet am 18. August um 20 Uhr. Am darauffolgenden Tag (19. August) gibt es den beliebten »Dachbodenfund« mit Jan Schönberg und Mirko Warnatz quasi »hinterm Lenkrad« zu erleben. »Wenn das Autotheater gut angenommen wird, dann machen wir sicherlich weitere Termine«, versichert Axel Tonn. Aber, eins steht fest, mit der mobilen Bühne hat sich das Senftenberger Theater Möglichkeiten geschaffen, die vielleicht Auftritte an noch ungewöhnlicheren Orten als dem Festplatz Laugkfeld ermöglichen.

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