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Lausitzer Seenland im Jahr 2020

Senftenberg. Auf gehts ins Jahr 2020. Einen Ausblick für den Tourismusverband Lausitzer Seenland e.V. gibt Geschäftsführerin Kathrin Winkler im Interview.

Mit »Sabine« ist jetzt der erste große Sturm über die Lausitz gefegt. Wann wird in diesem Jahr der erste touristische Ansturm auf das Lausitzer Seenland erfolgen?

Die Wassersportsaison beginnt normalerweise am 1. April. Da wir uns auch stark auf das Radfahren fokussieren bedeutet das natürlich, auch bei dem Wetterwandel, den wir zurzeit durchleben, dass es schon eher losgehen kann. Ich rechne bereits an schönen März-Wochenenden mit den ersten Gästen. Im Übernachtungsbereich wird es erst richtig im April losgehen.

Offiziell startet das Lausitzer Seenland mit den Seenlandtagen in die neue Saison....

Genau. Diese sind in diesem Jahr am 25. und 26. April. Dabei legen wir diesmal den Fokus bewusst auf die Einheimischen. Sie können stolz darauf sein, was bisher geschaffen wurde und sind dazu eingeladen, ihr Seenland vor der neuen Saison zu entdecken. So bieten wir am Samstag unterschiedliche Bustouren von allen Tourismusinformationen an. Am Sonntag wird es Rad- und geführte Wandertouren geben.

Das Lausitzer Seenland liegt bei fast 800 000 Übernachtungen im Jahr. Zukünftig sollen es 1,5 Millionen Übernachtungen sein. Wie realistisch ist diese Zahl und wie soll dieses Ziel erreicht werden?

Die Zahlen für 2019 sind noch nicht da. Wir rechnen Mitte März mit ihnen. Die 1,5 Millionen Übernachtungen resultieren aus dem Marketingkonzept des Lausitzer Seenlandes. Das ist das realistische Potenzial, was das Lausitzer Seenland hergibt. Wir sagen ganz bewusst nicht, wann wir das erreichen können, denn das hängt von vielen Faktoren ab. Dafür brauchen wir in erster Linie zusätzliche Kapazitäten, denn mit dem gegenwärtigen Übernachtungsangebot können wir die 1,5 Millionen nicht erreichen.

Im vergangenen Jahr hat der Tourismusverband Lausitzer Seenland eine umfangreiche Digitalisierungsoffensive gestartet. Dabei sollten vor allem touristische Leistungsträger digital fit gemacht werden. Inwieweit wurden diese Potentiale genutzt?

Das Thema Digitalisierung hat verschiedene Ansätze. Grundsätzlich geht es darum, alle Informationen in eine zentrale Seenland-Datenbank einzupflegen, aus der jeder touristische Anbieter Informationen, die er benötigt, herausholt. Wir haben im vergangenen Jahr fast alle Bürgermeister und Wirtschaftsförderer als Verband im Seenland besucht. Mittlerweilse sind über 20 Kommunen geschult und können Daten einpflegen. Die touristischen Anbieter können sich die Daten georeferenziert ziehen. Erste Hotels und Pensionen nutzen hier bereits den Veranstaltungskalender und die Ausflugstipps. Aktuell sind wir weiterhin mit den Anbietern in Gesprächen, da es noch ganz viel Erklärungsbedarf gibt. Auf der brandenburger Seite des Seenlandes haben wir den Vorteil, dass wir die Hardware - die sogenannten Stelen - gestellt bekommen. Für diese stellt das Land allein für den südlichen Teil des Landkreises Oberspreewald Lausitz 150 000 Euro bereit. Im sächsischen Seenlandgebiet sind wir gerade mit unseren Partnern im Gespräch, aus welchen Fördertöpfen wir es finanzieren können.

Info-Stelen sollte es auch in Senftenberg geben. Bleibt es dabei?

Nach dem Umbau der Tourismusinformation am Markt wird dort eine Stele zur Verfügung stehen. Zudem soll es im Stadthafen, am Bahnhofvorplatz, am Theater und in der Gartenstadt Marga jeweils eine Info-Stele geben. Die Beantragung läuft über den Landkreis, jetzt warten wir auf die Zuschläge. Parallel laufen die Anträge vom Zweckverbandes Lausitzer Seenland Brandenburg für eine Stele am Schleusenwärterhaus in Großkoschen und am Komfortcampingplatz in Niemtsch. Das sind die Standorte, die momentan angedacht sind.

Welche Schwerpunkte wird der Tourismusverband im Jahr 2020 setzen?

Ein Schwerpunkt wird das Thema »Marke« sein. Wir wollen Möglichkeiten ausloten, wie sich neben den touristischen Anbietern auch Firmen aus der Wirtschaft einbringen können, um das Lausitzer Seenland als Marke stärker nach außen zu transportieren. Mittlerweile hat sich die Region ein gutes Image aufgebaut. Jetzt wird es für die Wirtschaft interessant. Daher kann es nur positiv sein, wenn touristische Anbieter und die Wirtschaft gemeinsam mit dem Lausitzer Seenland auf Flyern, Internetseiten und dergleichen werben. Bisher war das Logo des Lausitzer Seenlandes kostenpflichtig. Das haben wir seit diesem Jahr bewusst verändert. Jetzt gibt es eine kostenfreie Logo- und Markenlizenzvereinbarung, damit es von möglichst vielen Partnern der Region genutzt werden kann. Ein weiterer Schwerpunkt wir die touristische Kommunaktion nach außen sein, um mit gezielten Angeboten für eine Saisonverlängerung  zu werben. Dabei wird die Vor- und Nachsaion erst einmal in den Fokus gestellt, da wir mit dem Thema Rad gut punkten können. Für den Winter fehlt uns noch einiges an Infrastruktur. Zudem werden Familienangebote und natürlich die Digitalisierung weitere Arbeitsfelder für das neue Jahr sein. Im Bereich Digitalisierung wollen wir jetzt eine Digitalisierungssprechstunde einführen, um eine erste Hilfestellung anzubieten.

Die Sanierung des Senftenberger Sees im Bereich der Insel wird sich noch über Jahre ziehen. Abseits der Hauptsaison ist der See aufgrund der Arbeiten gesperrt. Inwiefern haben Sie sich damit arrangiert?

Wir betrachten das positiv. Die Sanierung läuft voll im Plan und der See wird am 1. April wieder freigegeben. Dabei wird vermutlich die Bojenkette stärker Richtung Insel versetzt, so dass mehr Wasserfläche zur Verfügung stehen wird. Gespräche dazu laufen. Wir selbst planen künftig gemeinsam mit dem Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg und anderen Partnern noch stärker kommunizieren, was während der Sanierung passiert und warum sie notwendig ist. So sollen Gäste und Einheimische etwa über Info-Tafeln informiert werden.  Davon abgesehen ist die Sperrung abseits der Saison nichts Neues. Neu ist nur, dass es jetzt eine offizielle Sperrung ist. Damit haben wir uns als Verband gut arrangiert, denn es wird eine Sicherung des Inselbereiches durchgeführt, um Menschenleben zu schützen. Jetzt werden also Voraussetzungen für eine zukünftige, perfekte Nutzung geschaffen. Außerhalb der Saison können wir als Verband damit sehr gut leben.

Die tropischen Temperaturen im vergangenen Sommer zogen tausende Badefreudige an die Seen. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf den kommenden Sommer und wird es neue Angebote geben?

Mit sehr positiven Gefühlen, da sich die Ferien in Brandenburg und Sachsen nicht so stark überlagern. In diesem Jahr haben wir einen Korridor von 20 Tagen nur für Feriengäste aus Sachsen. Das ist beruhigend. Neu in diesem Jahr kommt der Barbara-Kanal hinzu. Er wurde im Herbst 2019 eröffnet und wird jetzt erstmals während der Saison zur Verfügung stehen. Auf den Radwegen im brandenburgischen Seenland wird es erstmals die Knotenpunktwegweisung geben. Sie erleichtert eine Tourenzusammenstellung anhand von Zahlen. Es deutet zudem alles darauf hin, dass in diesem Jahr wieder der Wasserspielplatz in Großkoschen nutzbar sein wird. Wir haben ein gelb-grünes Signal für eine Eröffnung erhalten. Weiterhin ist an der Schleuse am Koschener Kanal durch den Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg ein Bootsanleger geplant.

Im Oktober 2019 wurde der Barbara-Kanal als zweiter schiffbarer Kanal im Lausitzer Seenland eröffnet. Welchen touristischen Stellenwert hat dieser Kanal?

Er hat einen großen, symbolischen Wert, denn er zeigt, dass es jetzt wieder einen Schritt weitergeht. Mit ihm sind jetzt drei Seen direkt miteinander verbunden – ich kann vom Senftenberger in den Geierswalder zum Partwitzer See fahren. Damit gibt es nun auch die Möglichkeit des Wasserwanderns. Die Verbindung der einzelnen Seen als Seenkette ist das Ziel, welches die Region anstrebt. Somit ist die Eröffnung des Barbara-Kanals ein wichtiges Signal. Seit der Eröffnung des Stadthafens und des Koschener-Kanals im Jahr 2013 hatten wir bis jetzt keine großen Freigaben. Mit dem Barbara-Kanal ist der nächste große Schritt erfolgt. Dieser fortschreitende Prozess ist neben unserem Alleinstellungsmerkmal dem Landschaftswandel für uns ganz wichtig. So können wir jedes Jahr eine neue Botschaft nach außen senden. Der Barbara-Kanal ist somit ein Zeichen des Aufbruchs, gerade auch im Zusammenhang mit dem Strukturwandel. Wir befinden uns übrigens seit Juni 1973 mit der ersten öffentlichen Nutzung des Senftenberger Sees in diesem Prozess. Wir arbeiten also an diesem Wandel schon lange und haben viele positive Veränderungen erreicht. Das wird leider mit Blick auf den Strukturwandel immer ein bisschen vergessen. 

Seit Anfang des Jahres wird die Tourismusinformation in Senftenberg umgebaut. Wie ist der Stand der Arbeiten?

Wir sind im Plan, bauseitig läuft alles. Im Hintergrund sind wir jetzt dabei, die technischen Innovationen anzugehen und umzusetzen. Diese gehen sehr stark in den digitalen Bereich hinein. Mit der umgebauten Tourismusinformation sind wir dann wesentlich moderner aufgestellt. Sie wird ein ganz tolles Schaufenster für das Lausitzer Seenland – auch ohne ihren bisherigen Radverleih. Dieser wurde in der Vergangenheit nur mäßig nachgefragt. Anhand von Kooperationsverträgen mit Radanbietern – allein drei gibt es in der Innenstadt – können wir dieses Thema abdecken. Eine Tourismusinformation muss diese Funktion nicht unbedingt erfüllen. Unsere Mitarbeiter sollen sich in erster Linie auf das Informieren der Gäste konzentrieren.   

Im vergangenen Jahr sind mit den Stadtführungen für Kinder und für Blinde zwei neue Führungen in Senftenberg hinzugekommen. Welche neuen Angebote plant der Tourismusverband in diesem Jahr?

Wir planen für den Herbst eine Familienpauschale. Dafür stellen wir im Moment die einzelnen Elemente zusammen. Das Thema Familien gehen wir ganz zielgerichtet an. Aktuell qualifizieren wir zudem die Tourismusinformationen dahingehend, dass sie ab Mitte des Jahres zusätzlich als Reiseveranstalter tätig sein können. Solche Beispiele haben wir uns etwa gestern in Zittau angeschaut. Entsprechende Anfragen gibt es an unseren Tourismusinformationen. Bisher vermitteln wir ausschließlich Gästeführer. Alle anderen Anfragen, wie etwa eine Bustour mit Übernachtungen und weiteren Aktionen, vermitteln wir zurzeit noch weiter. Zukünftig wollen wir das selbst abdecken.

Der Chemiekonzern BASF will am Standort in Schwarzheide eine Anlage zur Produktion von BatterieKathodenmaterialien für jährlich rund 400.000 Elektroautos aufbauen. Im Jahr 2022 soll die Anlage in Betrieb gehen. Inwiefern wird sich diese Entscheidung auf den Tourismus in der Region auswirken?

Wenn Industriearbeitsplätze kommen und ein Investor sich entscheidet, dann spielen nicht nur die harten Standortfaktoren wie etwa eine Autobahn, sondern auch die weichen Faktoren – etwa aus dem Freizeitbereich - eine Rolle. Von daher ist diese Entscheidung für das Lausitzer Seenland betrachtet schon interessant. Je mehr Arbeitsplätze geschaffen werden beziehungsweise Einwohner in die Region kommen, umso mehr steigt die Nachfrage nach der täglichen Erholung, nach der Freizeitstruktur. Für mich greifen Wirtschaft und Tourismus ganz intensiv ineinander. Strukturwandel funktioniert nur mit beiden Branchen. Wenn über die BASF die Region in aller Munde kommt, wird es für uns natürlich leichter, das touristisch zu spielen. Jede positive Botschaft zahlt auf das Image der Region ein. Als Tourismusverband arbeiten wir nicht allein daran, sondern wir sehen das auch als Gesamtimage. Ab März werden wir dafür übrigens eine niederländische Studentin beschäftigen, die sich mit diesem Thema befassen wird. Sie betrachtet etwa, wie die Bevölkerung dahingehend einbezogen werden kann. Hier geht es vor allem um einen Wandel in den Köpfen. Die Menschen müssen das Seenland positiv wahrnehmen und das auch nach außen kommunizieren. 

Am 31. Oktober soll der neue Flughafen BER in Schönefeld endlich an den Start gehen. Kann das auch noch einmal den Tourismus im Seenland beflügeln?

Ich glaube nicht, dass die Eröffnung wirklich viele Effekte für uns haben wird. Der BER hätte nur dann spannende Auswirkungen, wenn es eine perfekte Anbindung mit der Bahn geben würde – etwa eine Schnellverbindung ins Lausitzer Seenland. Die bestehenden Bahnverbindungen aus Berlin ins Lausitzer Seenland sind einfach zu langsam. Vom Alexanderplatz bis nach Senftenberg dauert es heute zwei Stunden. Da kann ich unterwegs Blümchen pflücken. Das ist für den Berliner nicht attraktiv. Wir brauchen ab und zu so einen Schnellläufer wie beispielsweise der RE 1 nach Frankfurt/Oder. Es würde reichen, wenn es etwa einen Zug am Vormittag, Nachmittag und am Abend geben würde, der nicht an jeder Station hält, sondern vielleicht nur in Lübben, Lübbenau, Calau und Senftenberg. Damit würde die Attraktivität für den Berliner Markt extrem steigen. Übrigens fährt in diesem Jahr vom 18. Juli bis 30. August wieder die Seenlandbahn von Dresden über Kamenz, Bernsdorf, Wiednitz und Hosena nach Senftenberg. Sie hatte im vergangenen Jahr einen guten Start hingelegt.

 

 

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